Sollen Kinder Fußball spielen, wenn der Bolzplatz staubt oder nach tagelangem Regen im Schlamm versinkt? Und ab wann wird aus schwierigen Wetterbedingungen ein gesundheitliches Risiko? Diese Fragen beschäftigen uns bei Streetbolzer immer häufiger. Unser Anspruch ist klar: Kinder und Jugendliche sollen sich bewegen können, unabhängig davon, in welchem Stadtteil sie leben oder wie viel Geld ihre Familien haben. Gerade in Vierteln mit wenig Sportangeboten und Infrastruktur sind frei zugängliche Bolzplätze deshalb wichtige Orte für Bewegung, Begegnung und Teilhabe.
Doch gleichzeitig können wir nicht ignorieren, dass Wetter und Platzbedingungen Einfluss auf die Gesundheit haben. Ein trockener Sommer kann einen Bolzplatz zur Staubwolke machen. Jeder Sprint, Zweikampf und Schuss wirbelt Staub auf, feine Partikel können die Atemwege belasten. Gleichzeitig ist Bewegung selbst ein wichtiger Bestandteil von Gesundheit. Kinder brauchen Räume, in denen sie rennen, Fußball spielen, sich ausprobieren und miteinander in Kontakt kommen können. Die Frage ist deshalb nicht nur: Spielen oder nicht spielen? Sondern vielmehr: Wie können wir Bolzplätze so gestalten, dass Kinder möglichst sicher und gesund spielen können?
Bei Streetbolzer erleben wir diese Herausforderung konkret. Unser wöchentliches Angebot in der Wöhlersiedlung ist mehr als eine Trainingseinheit. Es ist ein niedrigschwelliges Bewegungs- und Begegnungsangebot direkt im Stadtteil. Doch die Gründe für Ausfälle werden mehr: zu heiß, zu nass, zu schlammig, zu trocken oder zu staubig. Natürlich müssen wir reagieren, wenn Bedingungen tatsächlich gesundheitlich problematisch sind. Aber gerade dort, wo Kinder und Jugendliche besonders auf kostenlose und wohnortnahe Angebote angewiesen sind, bedeutet jeder Ausfall auch, dass ein weiterer Ort für Bewegung wegfällt.
Deshalb sollten wir die Diskussion größer denken. Klimaanpassung ist auch Sozialpolitik. Bolzplätze müssen mit Hitze, Trockenperioden und Starkregen umgehen können. Es braucht Überlegungen zu staubarmen und robusten Belägen, besserer Entwässerung, Schatten und einer Gestaltung, die Sportflächen möglichst viele Tage im Jahr nutzbar macht. Das sind nicht nur technische Fragen, sondern Fragen von Gesundheit, Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe.
Unser Fußballangebot in der Wöhlersiedlung setzt genau dort an. Aber manchmal fühlt es sich an wie ein Tropfen auf einem staubtrockenen Bolzplatzboden. Wir können Bälle mitbringen, Kinder motivieren und jede Woche ein Angebot schaffen. Den Platz selbst können wir jedoch nicht verändern.
Wir wollen deshalb nicht weniger Fußball und nicht weniger Bewegung. Wir wollen bessere Bolzplätze. Plätze, die an die Wetterbedingungen unserer Zeit angepasst sind und Kindern auch in Zukunft sichere, kostenlose und wohnortnahe Bewegung ermöglichen. Nicht irgendwann. Jetzt.
by door7