Der Kasseler Verein Streetbolzer e.V. erhält den ersten Platz des Julius-Hirsch-Preises 2026 und damit eine der wichtigsten Auszeichnungen des Deutschen Fußballbundes. Die Jury würdigt das kostenlose, niedrigschwellige Fußball-, politische Bildungs- und Kulturangebot des Vereins, mit dem Kinder und Jugendliche erreicht, gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht und Diskriminierung und Ausgrenzung entgegengewirkt wird.
„Wir freuen uns riesig über diesen Preis und eskalieren innerlich maximal“, sagt Mustafa Gündar, Geschäftsführer von Streetbolzer. „Für uns ist diese Auszeichnung vor allem die Anerkennung für die vielen Kinder und Jugendlichen, die Woche für Woche zu uns kommen, auf den Bolzplätzen Fußball spielen, zusammen ihre Freizeit verbringen, diskutieren, kreativ werden und gemeinsam Verantwortung mit uns übernehmen.“
„Wir wollen Kinder und Jugendliche dort abholen, wo sie sind: auf der Straße, auf dem Bolzplatz, in ihrem Alltag.“, erklärt Gündar. „Der Fußball ist unser Zugang. Aber es geht um viel mehr. Es geht darum, miteinander klarzukommen, Konflikte zu lösen, Fairness zu lernen, sich einzumischen und zu erleben, dass die eigene Stimme zählt.“
Die langjährige Unterstützung durch die Stadt Kassel sowie zahlreiche Partner und Förderer haben dazu beigetragen, dass Streetbolzer diese Arbeit über viele Jahre aufbauen und ausweiten konnte. Ein wichtiger Schwerpunkt bleibt die inklusive und offene Arbeit mit Mädchen und jungen Menschen, die in klassischen Vereinsstrukturen häufig schwer erreicht werden. Mit Unterstützung von Aktion Mensch konnte Streetbolzer diese Angebote kontinuierlich weiterentwickeln und Räume schaffen, in denen Mädchen und Jugendliche unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen gemeinsam Fußball spielen und ihre eigenen Ideen einbringen können.
Für Boris Mijatovic, der 2008 das erste Straßenfußball-Turnier „Kick-rechts-weg“ in der Kasseler Innenstadt organisierte und 2009 gemeinsam mit Mustafa Gündar Streetbolzer gründete, schließt sich mit der Auszeichnung ein Kreis: „In Erinnerung an unsere Ursprünge im politischen Straßenfußball für Ausgleich und Respekt empfinden wir eine besondere Verbundenheit mit dem Namensgeber Julius Hirsch. Wir nehmen den Preis mit größter Demut und Dankbarkeit entgegen. Aber im Mittelpunkt stehen für uns weiterhin die Jugendlichen, die sich nie aufgegeben haben. Für Kassel und für sie machen wir diese Arbeit. Meet the street bleibt unser zentrales Motto.“
Hintergrund
DFB-Präsident Bernd Neuendorf teilte heute mit, dass Streetbolzer den ersten Platz des Julius-Hirsch-Preises 2026 erhält. Insgesamt hatten sich 135 Initiativen und Vereine bundesweit für den diesjährigen Preis beworben. Der zweite Preis geht an den SV Borussia Leer, der dritte Preis an die Deutsch-Tschechische Fußballschule.
Die elfköpfige Jury überzeugte Streetbolzer insbesondere durch das „kostenlose und niedrigschwellige Fußball-, Bildungs- und Kulturangebot“, mit dem „eine demokratische Haltung gefördert wird, gesellschaftliche Teilhabe unterstützt und Diskriminierung und Ausgrenzung entgegengewirkt wird“, wie es in der Mitteilung des DFB heißt.
Journalistin und Jurymitglied Dunya Hayali hebt besonders die Vielfalt und Niedrigschwelligkeit der Angebote hervor: „Streetbolzer erreicht sehr viele und vielfältige Zielgruppen. Das breit gefächerte Angebot hat mich beeindruckt. Der Zugang ist niedrigschwellig, die Angebote sind kostenlos, offen und ohne Anmeldung zugänglich. Die Kinder werden unabhängig von einer Vereinszugehörigkeit dort abgeholt, wo sie sind: beim Straßenfußball. Zugleich geht das Engagement mit Workshops, Medienprojekten, Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen weit über den Fußball hinaus.“
by door7